Hannover. Regionalbischof Friedrich Selter aus Osnabrück ordiniert Linda Schmols und Emelie Tille in einem feierlichen Gottesdienst am Sonntag, den 1. März um 14 Uhr in der Herrenhäuser Kirche zu Pastorinnen der Emmausgemeinde. In ihrer ersten Pfarrstelle sind die beiden zusammen mit Pastorin Annette Charbonnier, Pastor Olaf Koeritz, Superintendent Karl Ludwig Schmidt, Diakon Sascha von Poeppinghausen und Gemeindemanagerin Rebekka Hinze für die Stadtteile Ledeburg, Stöcken, Schwarze Heide, Leinhausen und Herrenhausen zuständig.
Emelie Tille ist am 22. Juli1995 in Zeven geboren und aufgewachsen. Als Jugendliche nahm sie an einer Freizeit der Freizeit- und Begegnungsstätte Oese teil und lernte ihre Freundin Esther kennen, die Tochter eines Pastorenehepaares ist. „Die Eltern von Esther haben mir viel aus ihrem Arbeitsalltag erzählt und alle meine Fragen beantwortet. So bin ich zum ersten Mal mit dem Beruf in Kontakt gekommen“, erzählt Tille. Sie entscheidet sich für das Theologiestudium in Heidelberg und in Göttingen. „Es hat mich fasziniert, dass der Beruf einer Pastorin all die Facetten des menschlichen Lebens abbildet – von der Wiege bis zur Bahre“, so die 30-Jährige. Nach dem Studium war Emelie Tille Vikarin in der Timotheusgemeinde in Hannover Waldheim/Waldhausen und schloss ein einjähriges Sondervikariat als Schulpastorin an der Anna-Siemsen-Berufsschule in Hannover an. „Die Arbeit mit den jungen Erwachsenen in der Berufsschule hat mir klar gemacht, wie sehr das übliche kirchliche Angebot oft von den Bedürfnissen der Menschen abrückt“, so Tille. Dagegen möchte sie etwas tun. Mit ihrer Studienfreundin und Kollegin Linda Schmols teilt sie den Wunsch nach alternativen Formen für die evangelische Kirche.
Linda Schmols wurde am 23. Januar 1993 in Hoya an der Weser geboren. Aufgewachsen ist sie in der Mitte von Niedersachen, in Bruchhausen-Vilsen, wo sie während ihrer Schulzeit ein Praktikum beim dortigen Pastor gemacht hat. In ihrer Konfirmandenzeit beschäftigte sich Linda Schmols mit der Frage „Warum bist du eigentlich Christin?“. Nach den Antworten suchte sie gemeinsam mit Gleichaltrigen in der Evangelischen Jugend. Nach einem freiwilligen sozialen Jahr im Missionarischen Zentrum Hanstedt entschied sie sich 2012, der Frage im Thelogiestudium in Göttingen weiter nachzugehen. „Mir ist die Verbindung aus Theorie und Praxis immer schon wichtig gewesen“, berichtet die Theologin. Und so leitete sie während des Studiums Freizeiten für Jugendliche aus ihrer Heimat Bruchhausen-Vilsen, ging 2015 für ein Gemeindepraktikum nach Südafrika und machte außerdem ein Praktikum im Arbeitsfeld „Kirche und Tourismus“ im damaligen Haus kirchlicher Dienste in Hannover. Nach dem Theologiestudium absolvierte sie ihr Vikariat in der in der St. Michaelis-Kirchengemeinde in Bissendorf und ergänzte ihre Ausbildung mit einem Sondervikariat in der Evangelischen Agentur (früher: Haus kirchlicher Dienste) im Team „Spiritualität“ mit den Schwerpunkten Innovation, Kirchenentwicklung und Glaubenskommunikation.
Zusammen mit einem weiteren Kollegen starteten Emelie Tille und Linda Schmols im Herbst letzten Jahres das Projekt „Licht&Beton“, ein Gesprächs- und Gemeinschaftsangebot für Menschen zwischen 30 und 40 Jahre auf der Suche nach dem guten Leben.
„Wir haben uns zu Stadtteilspaziergängen getroffen und sind in unseren Gesprächen auf die Suche gegangen, nach Spiritualität im Alltag“, erklärt Emelie Tille. „Bei den Gruppentreffen ergründen wir gemeinsam, wie man eigentlich Kirche ohne Kirchgebäude sein kann“, ergänzt Linda Schmols. Diese Frage wird die beiden auch in ihrem neuen Tätigkeitsbereich beschäftigen, in dem sich in den letzten Jahren viel verändert hat. Die Pastorinnen folgen auf Pastor Gerd Peter aus Stöcken, der im Oktober letzten Jahres in den Ruhestand verabschiedet wurde. Zuvor war im Januar 2023 die Bodelschwinghkirche in Hannover-Ledeburg abgerissen worden. Anfang 2024 fusionierten beiden ehemaligen Gemeinden Ledeburg-Stöcken und Herrenhausen-Leinhausen zur Emmaus-Kirchengemeinde Hannover.
„Es wird darum gehen, wie wir die Menschen in den Stadtteilen in all ihrer Unterschiedlichkeit einbeziehen können“, so Tille. „Bei all den Sparzielen und dem finanziellen Druck, unter dem unsere Kirche derzeit steht, wird es umso wichtiger sein, sich dennoch an den Menschen vor Ort zu orientieren“, ergänzt Schmols.
Trotz der Herausforderungen freuen sich Linda Schmols und Emelie Tille auf die Begegnungen mit den verschiedenen Menschen. „Wir wollen Netze bilden, die Halt geben und im Leben tragen. Das wir das beruflich machen dürfen, ist ein Geschenk“, sagen die neuen Pastorinnen, die bereits seit dem 1. Februar im Dienst sind.
In dem Gottesdienst am Sonntag, 1. März, wird der Osnabrücker Regionalbischof Friedrich Selter predigen und die Ordination durchführen. Außerdem wirken Assistierende aus dem persönlichen Umfeld von Emelie Tille und Linda Schmols mit und legen ihnen segnend die Hände auf. Musikalisch mitgestaltet wird die Zeremonie von der Kantorei und dem Chor „Capella Vocale“ unter der Leitung von Kirchenmusikdirektor Harald Röhrig. An den Gottesdienst schließt sich ein Empfang in der Kirche an.
Die Emmaus Kirchengemeinde gehört zum Amtsbereich Nord-West im Kirchenkreis Hannover, der wiederum Teil des evangelisch-lutherischen Sprengels Hannover ist. Der Sprengel Hannover ist die in neun Kirchenkreise gegliederte Kirchenregion in und um die Landeshauptstadt Hannover mit rund 422.000 Kirchenmitgliedern in 210 Kirchengemeinden.
Meret Köhne, Öffentlichkeitsarbeit für den Sprengel Hannover