Die neue Äbtissin im Stift Fischbeck, Sylvia Hartje, wird am Pfingstmontag, 25. Mai, in einem feierlichen Gottesdienst um 15 Uhr in der Stiftskirche in ihr Amt eingeführt. Die Predigt hält Regionalbischöfin Sabine Schiermeyer. Die Präsidentin der Klosterkammer Hannover, Dr. Thela Wernstedt, setzt Hartje offiziell in ihr Amt ein. Hartje hat ihre Tätigkeit am 1. Januar 2026 aufgenommen.
Sylvia Hartje wurde 1962 in Hannover geboren und wuchs in Wennigsen am Deister auf. Nach einer Lehre als technische Zeichnerin legte sie auf dem zweiten Bildungsweg ihr Abitur ab und studierte in Hannover und Wales Maschinenbau. Als Ingenieurin arbeitete sie anschließend in einer hannoverschen Firma im Bereich Konstruktion, viele Jahre davon auch in leitender Tätigkeit. „Der Kirche bin ich erst im Erwachsenenalter nähergekommen“, sagt Hartje. Entscheidend seien dabei menschliche Begegnungen vor allem bei ihrer ehrenamtlichen Arbeit für die Marktkirche gewesen. Dort gehörte sie auch dem Kirchenvorstand an und engagierte sich sowohl für den Bau-Ausschuss als auch für Kulturangebote.
Zu Beginn ihres Ruhestandes 2025 stieß sie zufällig auf eine Annonce des Stifts Fischbeck und bewarb sich als Stiftsdame. Die damalige Äbtissin Katrin Woitack ermutigte sie zudem, sich auch für ihre Nachfolge aufstellen zu lassen. „Nur wenige Tage nach meinem Eintritt als Stiftsdame wurde ich dann in geheimer Wahl als neue Äbtissin bestätigt“, erzählt Hartje. Für die ledige 64-Jährige ist die Tätigkeit als Äbtissin eine Möglichkeit, „meine ganzen beruflichen und ehrenamtlichen Erfahrungen einzubringen“. Ihre Aufgaben reichen von der spirituellen Gestaltung des Stiftslebens über die Organisation von kulturellen Veranstaltungen bis hin zur Repräsentation des Stifts in der Öffentlichkeit. „Wichtig dabei ist auch die Zusammenarbeit mit den Vereinen und Initiativen des Ortes Fischbeck sowie der örtlichen Kirchengemeinde“, betont sie.
Dankbar ist Hartje für die „lebendige Stifts-Gemeinschaft und dass meine Vorgängerin mir ein gut aufgestelltes Arbeitsfeld hinterlassen hat“. Neun Frauen leben zurzeit als Stiftsdamen in Fischbeck, jede hat einen eigenen Aufgabenbereich wie zum Beispiel die Gartenpflege oder den Verkauf im stiftseigenen Laden. „Morgens feiern wir gemeinsam Andacht, das stärkt unsere Verbundenheit“, sagt die Äbtissin. Ihr Anliegen ist es, das Stift bekannter zu machen und weiter zu öffnen, beispielsweise durch kulturelle Angebote. „Als christliche Gemeinschaft leben wir nicht nur auf uns bezogen, sondern beten auch für andere Menschen oder für den Frieden in der Welt“, sagt sie. Einige der Stiftsdamen engagierten sich beispielsweise auch ehrenamtlich für Sozialprojekte außerhalb des Stifts. Als „herausfordernde und lohnende Gratwanderung“" sieht Hartje ihr Anliegen, die Tradition des Stifts zu bewahren und es gleichzeitig auf die Zukunft hin auszurichten.
Bei dem Gottesdienst zur Einführung von Sylvia Hartje wird ihre Amtsvorgängerin, Katrin Woitack von Superintendent Christian Schefe entpflichtet. Schefe nimmt gemeinsam mit Assistierenden die Einsegnung von Sylvia Hartje vor. Die Predigt hält Regionalbischöfin Sabine Schiermeyer. Weitere Mitwirkende sind Stiftsvoigt Otto von Blomberg, Pastor Matthias Voigt und Pastorin Alexandra Pook. Als Gäste werden unter anderem auch zahlreiche Äbtissinnen und Bewohnerinnen der weiteren niedersächsischen Klöster erwartet.
Das Stift Fischbeck wurde 955 gegründet, Pfingsten 1559 wurde dort der erste evangelisch-lutherische Gottesdienst gefeiert. Fischbeck blieb auch nach der Reformation ein adeliges „Fräuleinstift“ und behielt seine alten Einrichtungen. Seit der Gründung leben und arbeiten dort durchgehend Frauen in einer christlichen Gemeinschaft.
Sabine Dörfel/Öffentlichkeitsarbeit im Sprengel Hannover