Sylvia Hartje als neue Äbtissin im Stift Fischbeck eingeführt

Nachricht 25. Mai 2026

Mit einem festlichen Gottesdienst in der Stiftskirche ist Sylvia Hartje am Pfingstmontag, 25. Mai, offiziell in ihr Amt als neue Äbtissin des Stifts Fischbeck (Hessisch Oldendorf) eingeführt worden. Der Termin war bewusst gewählt: An Pfingsten 1559 wurde im Stift Fischbeck die erste evangelische Predigt gehalten – ein historisches Datum, das bis heute eng mit der geistlichen Geschichte des Hauses verbunden ist.

Die Predigt im Einführungsgottesdienst hielt Regionalbischöfin Sabine Schiermeyer, die derzeit das Bischofsamt im Sprengel Hannover vertretungsweise innehat. In ihrer Predigt würdigte sie die mehr als tausendjährige Geschichte des Stifts und die Frauen, die es über Generationen geprägt haben:

„Die Bewohnerinnen und die Menschen um das Damenstift herum haben Steine, Gebäude, Traditionen festgehalten. Sie haben Kraft und Geld an Erhalt, Pflege und auch Umbauten verschenkt, haben die Kirche nach dem Abbrennen im 13. Jahrhundert wiederaufgebaut, haben Reformation, Kriege, gesellschaftliche Umwälzungen und wirtschaftliche Not überstanden. Über 1000 Jahre lang.“

Zugleich betonte Schiermeyer die besondere Verbindung zwischen Vergangenheit und Gegenwart: „Die feurige Geistkraft, die uns beseelt, befreit und befriedet hat, ist immer noch da. Die Macht, die schon dem unscheinbaren Anfang innewohnte, hat die heiligen Räume durch die Jahrhunderte behütet und wird das auch weiter tun.“

Mit Blick auf die neue Äbtissin sagte sie: „Sie, liebe Frau Hartje, treten in diese Kette der Generationen ein.“

Zu Beginn des Gottesdienstes setzte die Präsidentin der Klosterkammer Hannover, Dr. Thela Wernstedt, Sylvia Hartje offiziell in ihr Amt ein. Danach wurde ihre Amtsvorgängerin Katrin Woitack entpflichtet. Symbolisch tauschten die beiden Stiftsdamen die Orden und Woitack übergab ihrer Nachfolgerin den Krummstab.

Sylvia Hartje wurde 1962 in Hannover geboren und wuchs in Wennigsen am Deister auf. Nach einer Ausbildung zur technischen Zeichnerin holte sie ihr Abitur auf dem zweiten Bildungsweg nach und studierte Maschinenbau in Hannover und Wales. Anschließend arbeitete sie als Ingenieurin im Bereich Konstruktion – viele Jahre auch in leitender Position.

„Der Kirche bin ich erst im Erwachsenenalter nähergekommen.“, so Hartje. Prägend seien vor allem Begegnungen im Rahmen ihres ehrenamtlichen Engagements für die Marktkirche Hannover gewesen. Dort gehörte sie dem Kirchenvorstand an und engagierte sich unter anderem im Bauausschuss sowie für kulturelle Angebote.

Zu Beginn ihres Ruhestands im Jahr 2025 wurde Hartje durch eine Stellenanzeige auf das Stift Fischbeck aufmerksam. Sie bewarb sich zunächst als Stiftsdame. Die damalige Äbtissin Katrin Woitack ermutigte sie zusätzlich, sich auch für deren Nachfolge aufstellen zu lassen.

„Nur wenige Tage nach meinem Eintritt als Stiftsdame wurde ich dann in geheimer Wahl als neue Äbtissin bestätigt“, berichtet Hartje.

Für sie ist das neue Amt die Möglichkeit, „meine ganzen beruflichen und ehrenamtlichen Erfahrungen einzubringen“. Ihre Aufgaben reichen von der geistlichen Gestaltung des gemeinschaftlichen Lebens über die Organisation kultureller Veranstaltungen bis zur öffentlichen Repräsentation des Stifts. Besonders wichtig sei ihr dabei die Vernetzung vor Ort: wie die Zusammenarbeit mit den Vereinen und Initiativen des Ortes Fischbeck sowie der örtlichen Kirchengemeinde. „Ich bin dankbar für die lebendige Stiftsgemeinschaft und dafür, dass meine Vorgängerin mir ein gut aufgestelltes Arbeitsfeld hinterlassen hat.“, sagt die neue Äbtissin.

Zurzeit leben neun Frauen als Stiftsdamen in Fischbeck. Jede übernimmt eigene Aufgabenbereiche – etwa in der Gartenpflege oder im Verkauf des stiftseigenen Ladens. Das gemeinsame geistliche Leben bildet dabei den Mittelpunkt des Alltags.

Für die Zukunft wünscht sie sich, das Stift noch stärker für Besucherinnen und Besucher zu öffnen und bekannter zu machen – unter anderem durch kulturelle Veranstaltungen und Begegnungsangebote. Dabei bleibt für sie der geistliche Auftrag zentral: „Als christliche Gemeinschaft leben wir nicht nur auf uns bezogen, sondern beten auch für andere Menschen oder für den Frieden in der Welt.“

Die Verbindung von Tradition und Zukunft beschreibt sie als besondere Aufgabe ihres Amtes: „Es ist eine herausfordernde und lohnende Gratwanderung, die Tradition des Stifts zu bewahren und es gleichzeitig auf die Zukunft hin auszurichten.“

Das Stift Fischbeck wurde im Jahr 955 gegründet. Seit mehr als tausend Jahren leben und arbeiten dort ununterbrochen Frauen in christlicher Gemeinschaft. Auch nach der Reformation blieb Fischbeck ein adeliges Damenstift und bewahrte viele seiner historischen Strukturen. Bis heute verbindet das Stift geistliches Leben, kulturelles Erbe und gemeinschaftliches Engagement auf besondere Weise.

Presse- und Öffentlichkeitsarbeit im Sprengel Hannover

Pastorin Meret Köhne
Tel.: 0511 8489800